Haben Katzen eine innere Uhr? Joshi und Dino warten in der Küche auf ihr Fressen.
Alltag

Die innere Uhr der Katzen

Wer Katzen hat, kennt es: Unsere Fellnasen scheinen genau zu wissen, wann es Zeit ist fürs Fressen, Spielen oder Schlafen. Haben Katzen auch eine innere Uhr? Wenn ich mir unsere Kater Dino und Joshi anschaue, bin ich mir sicher. Begleitet mich auf eine kurze Reise durch den Katzenalltag und die Wissenschaft hinter ihren Gewohnheiten. Vielleicht werdet ihr dabei auch Parallelen zu euren eigenen Vierbeinern entdecken.

Wenn ich zu Hause arbeite – was häufig der Fall ist –, wiederholt sich jeden Mittag dasselbe Ritual: Ich stehe in der Küche und bereite mein Mittagessen zu. Dann höre ich, wie sich die Katzentür öffnet, die in den Keller und ins Aussengehege führt. Einige Sekunden später streicht mir Dino um die Beine. Und gibt mir mit seinem feinen Miauen eindeutig zu verstehen, dass er jetzt gefälligst auch Fressen möchte. Nebenbei gesagt: Unsere Kater haben diverse Activity-Center mit Trockenfutter. Wenn sie wirklich hungrig sind, haben sie jederzeit Futterquellen.

Haben Katzen also eine innere Uhr? Wissen sie, wie viel Zeit es ist? Respektive, wissen sie, wann Fressenszeit ist? Die Antwort ist Jein. Mit abstrakten menschlichen Begriffen wie Uhrzeit können unsere Fellnasen nichts anfangen. Aber sie kennen unseren Tagesrhythmus, der immer sehr ähnlich ist. Und sie können durchaus Ereignisse wie Fütterung mit der Tageszeit respektive dem Sonnenstand verknüpfen. So tauchen Dino und Joshi zuverlässig um 17 Uhr in unserer offenen Küche auf, weil sie um 18 Uhr ihr Nassfutter bekommen. Gut möglich, dass sie wieder gehen, wenn ihre Zweibeiner gerade nicht in der Küche oder in der angrenzenden Stube sind, wo ich häufig arbeite.

Ein fester Tagesrhythmus

Aber auch ausserhalb der Fressrituale haben Dino und Joshi einen einigermassen festen Rhythmus. Dieser ist abhängig vom Wetter und der Jahreszeit. So ist nach dem Mittag bei beiden Schlafenszeit. Und zwar unabhängig davon, ob wir Zweibeiner zu Hause sind oder nicht. Dieses «Nickerchen» kann gut und gerne bis 16 Uhr dauern. Ach, wie ich die Katzen manchmal beneide! Ich muss mich im Homeoffice auf einen Powernap beschränken, weil anschliessend die Arbeit wieder ruft.

Nach ihrem ausgiebigen Nickerchen recken und strecken sich Dino und Joshi erst einmal genüsslich und gähnen entspannt. Gemütlich machen sie sich dann auf den Weg in ihr geliebtes Aussengehege vor dem Haus. Das 20-Quadratmeter-Paradies mit etwas Wiese und gemütlichen Holzharassen lädt je nach Jahreszeit zu unterschiedlichen Aktivitäten ein. Im Frühling und Sommer beobachten sie neugierig die Vögel, jagen Insekten im Gras – oder setzen ihr Nickerchen einfach fort.

Am Abend könnte ich fast meine Uhr nach Dino stellen. Wenn ich in der Küche am Aufräumen bin, taucht er pünktlich um 17 Uhr auf. Für die grosse Show sorgt jedoch Joshi: Er spaziert in die Küche und lässt sich theatralisch auf den Rücken fallen, als wolle er sagen: «Seht her, ich bin kurz vorm Verhungern!»

Der Rhythmus der Katzen

Wissenschaftlich betrachtet besitzen Katzen genau wie wir Menschen eine innere biologische Uhr, die als zirkadianer Rhythmus bezeichnet wird. Dies wurde in diversen Studien untersucht und belegt. Der Rhythmus wird vor allem durch den Wechsel von Licht und Dunkelheit gesteuert. Deshalb sind Katzen typischerweise in der Dämmerung am aktivsten – die ideale Zeit, um in der Natur auf die Jagd zu gehen. Auch Dino und Joshi folgen diesem natürlichen Rhythmus und passen ihre Aktivitäten dem Sonnenstand an, egal ob es Zeit für ein Nickerchen oder ein Abenteuer im Garten ist.

Aber es ist nicht nur die Natur, die ihre innere Uhr prägt. Katzen sind wahre Meister darin, Routinen zu lernen und menschliche Verhaltensmuster zu beobachten. Sie merken sich, wann bestimmte Dinge geschehen – etwa Fütterungszeiten oder unsere eigenen Essgewohnheiten –, und passen sich diesen an. Auch ohne ein Verständnis für die Uhrzeit wissen Dino und Joshi ganz genau, wann es Zeit ist, um in die Küche zu kommen und ihr Futter einzufordern.

Was die Routinen für uns bedeuten

Es ist erstaunlich, wie wir uns an den Rhythmus unserer Fellnasen gewöhnt haben und wie viel Freude sie uns mit ihren kleinen Ritualen bereiten. Ob es das charmante Betteln von Dino oder Joshi’s theatralischer Auftritt am Abend ist – diese Momente sind mehr als nur Routinen. Sie sind ein Teil unseres gemeinsamen Alltags und erinnern uns immer wieder daran, wie stark die Bindung zwischen Mensch und Tier sein kann. Manchmal frage ich mich, wer hier eigentlich wessen Rhythmus folgt – vielleicht sind es ja nicht nur die Katzen, die sich nach uns richten, sondern wir, die unbewusst ihren sanften Takt in unseren Tag einbauen.

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